Handlungssicherheit für Kinder- und Jugendschutzbeauftragte im Sport“

 | 11.06.2018

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich anlässlich eines Expert/-innen-Hearing „Sportgerichtliche Verfahren bei sexualisierter Gewalt im Sport“ in Frankfurt über die aktuellen Paragrafen im Sexualstrafrecht, erarbeiteten Handlungsempfehlungen bei sexualisierter Gewalt im Sport und die diskutierten die Möglichkeiten von sportgerichtlichen Verfahren. Für den DJJV waren Jugendbildungsreferent Tom Ismer und Referent Gewaltprävention Fritz Schweibold dabei.

In der Erklärung der DOSB-Mitgliederversammlung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport aus dem Jahr 2010 (sog. „Münchner Erklärung“) haben sich die Mitgliedsorganisationen u.a. dazu verpflichtet, „auf der Grundlage der Rahmenrichtlinien in eigener Zuständigkeit die Bedingungen für den Entzug von Übungs-, Jugendleiter- und Trainerlizenzen zu regeln“. Die Deutsche Sportjugend (dsj) hatte 2011 die erste Auflage der Broschüre „Gegen sexualisierte Gewalt –Orientierungshilfe für rechtliche Fragen“ veröffentlicht. Darin findet sich Basiswissen zum Sexualstrafrecht und rechtliche Grundlagen

Durch das Expert/innen-Hearing sollten aktuelle Herausforderungen im Umgang mit sportgerichtlichen Verfahren bei sexualisierter Gewalt im Sport herausgearbeitet und modifizierte Fragestellungen in den Blick genommen werden. Zunächst wurden wichtige Paragrafen des Sexualstrafrechts präsentiert, anschließend gab es Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Reformansätze. Basierend darauf stelle Prof. Dr. Jan F. Orth (Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln, Vorsitzender Richter des Landgerichts Köln) seine Empfehlungen zum Umgang mit sportgerichtlichen Verfahren bei (Verdachts-)Fällen von sexualisierter Gewalt im Sport vor.

Als Beispiel aus der Praxis und Diskussionsgrundlage präsentierte ein Sportverband die Erfahrungen und Herausforderungen des Bundesverbands mit dem Entzug von Lizenzen und Starterlaubnissen bei Fällen sexualisierter Gewalt. Für die Werte im Sport sollte eine andere Priorität gelten.

Der Vorsitzende der dsj, Jan Holze, bedankte sich dafür, dass die Expertinnen und Experten ihr Wissen und ihre Perspektiven geteilt haben, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung aktiv an entsprechenden Konzepten mitarbeiten und so Handlungssicherheit erreicht werden kann. Die Ergebnisse dieser Konzepte sind auf einen Großteil der (Verdachts-)Fälle übertragbar und müssen nun noch in die Vereine und Verbände eingebracht werden.

Die Jugend im DJJV nimmt innerhalb der dsj hier eine Vorreiterrolle ein. Um diese auch weiterhin inne zu haben,  werden die ohnehin schon vorhandenen strukturellen Maßnahmen modifiziert und angepasst. Eine der großen Herausforderungen ist dabei sicherlich eine Überprüfung der Satzung, die in den meisten Fällen, nach Aussage des Experten, unzureichend für sportgerichtliche Verfahren ist. Die möglichen Verstöße und Sanktionen sind in der Regel dabei zu wenig konkretisiert, weshalb solche Satzungen einer juristischen Prüfung durch ein ordentliches Gericht meist nicht genügen.

Fritz Schweibold

  • Internationale Jiu-Jitsu Federation
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  • Worldgames
  • Deutscher Olympischer Sportbund
  • Interessengemeinschaft Nicht-Olympischer Verbände
  • Deutsche Sportjugend
  • Nationale Anti-Doping-Agentur
  • Bundesministerium des Inneren
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend