Drum prüfe, wer den Gürtel bindet

 | 16.11.2017

Bestanden im Budocentrum

Am 12.11.17 haben sechs Mitglieder des Budocentrums ihre Prüfungen im Ju-Jutsu bestanden! Die Budoabteilung der Sportvereinigung Polizei Hamburg gratuliert den neuen Blau- und Braungurten! Hier der Bericht von den Matten im Budocentrum in Alsterdorf und im Landesleistungszentrum auf der Veddel.

 

Jedes Jahr finden, seit Jahrzehnten, Gürtelprüfungen im Hamburger Ju-Jutsu Verband statt. Die äußeren Bedingungen im Landesleistungszentrum Zwischen den Süderelbbrücken (LLZ) und im Budocentrum in Alsterdorf verändern sich wenig. Für die meisten Prüfer ist so ein Termin Routine. Es sind die Teilnehmer, die ihre Prüfungen zu etwas besonderem machen. Wegen der großen Teilnehmerzahl wurden die Prüflinge diesmal aufgeteilt und an zwei verschiedenen Orten geprüft.

 

Abklopfen mal anders
Steht jemand unter Stress, zeigen sich völlig neue Seiten an vertrauten Menschen. Im LLZ werden Andreas L., Anton und Knut (von der SVP) geprüft. Wenn Andreas während der Prüfung fällt, klingt das noch wie im Training: rumms! Egal aus welcher Höhe, egal wie häufig, er klatscht technisch sauber und in beeindruckender Lautstärke ab. Fallen ist seine Stärke. Doch während er sonst manchmal festgezurrt wirkt, präsentiert er sich bei seiner Braungurt-Prüfung (im LLZ) ungewohnt fröhlich und strahlend gelaunt. Als die Autorin um kurz vor zehn besorgt fragt, ob er und Anton sich nicht aufwärmen wollen, grinst Andreas nur und meint: „Wieso? Sind wir nicht heiß genug?“ Später wird er zwar reichlich verschwitzt sein, aber weiterhinentspannt wie selten. Als er einen Gegner am Boden fixiert und dieser abklopft, klopft Andreas ihm freundlich auf den Po. Wieder wird an seinem Prüfertisch gelacht.

 

Blutige Nase
Die Prüfung läuft noch keine halbe Stunde, da geht Anton zu Boden. Ebenfalls ungewohnt, wählt ihn der Prüfer doch häufig als Uke: eine Auszeichnung. Und nun liegt er am Mattenrand. Unfreiwillig: Er hat, trotz ordentlicher Deckung, einen Tritt an die Nase bekommen. Anton muss kurz pausieren, dann geht’s weiter. Genau wie bei Andreas L. äußern die Prüfer relativ wenig Kritik. Trotzdem pumpt sein Brustkorb heftig. Dass er unter Stress steht, hört man mehr, als es zu sehen. Auf einmal spricht er mit deutlichem Akzent, Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Im Training merkt man davon nichts. Doch auch er verliert seine gute Laune nicht. Als Knut zwischendrin aus seiner Tasche eine Spritze holt, guckt Anton erstaunt. „Insulin“, erklärt die Autorin. Anton lacht: „Wer weiß? Das ist nur das, was er uns sagt.“

 

Wie heißt der verdammte Hebel?
Knut, 4. Dan Karate, lacht mit. Insgesamt aber scheint er wesentlich aufgeregter zu sein als die anderen beiden. „Mist, ich weiß nicht alle Namen“, sagt er zur Autorin. Die hat nicht aufgepasst und fragt: „Hä? Die von den Prüfern oder die von den Prüflingen?“ Knut schüttelt den Kopf: „Von den Techniken“. Denn kurz davor hatte Prüfer Jens Keckstein einen anderen Tori mit Fragen nach den Namen von bestimmten Hebeln gelöchert. Der wusste aber keinen, was Keckstein äußerst erbost zur Kenntnis nahm und deutlich kommentierte. 

Als Knut kaum angefangen hat, entlässt der Prüfer seine Partnerin schnell aus dem Programm. Wieso das? Knut ist ein fairer Trainingspartner, hat sich an diesem Tag aber verschätzt. „Ihr Arm war so kurz, da habe ich ihr leider voll auf den Hals geschlagen.“ Auch die anderen Teilnehmer merken schnell, dass Knut als Karate-Danträger viel Erfahrung hat. Er geht immer entschlossen vorwärts, sein ganzer Körper steht unter Spannung, seine Atemi-Techniken kommen energisch. Aber, wie er später feststellt, fehlt es ihm an Repertoire im Ju-Jutsu: „Die Frau ist ganz ungewohnt aus einem Wurf ausgestiegen und dann stand ich da und dachte, verdammt, was nun?“ Trotzdem ist auch Knut erfahren genug, um mit den Prüfern zu scherzen. „Er klopft nicht!“, sagt er bei einer Festlegetechnik in Richtung Prüfertisch. Der Uke klopft immer noch nicht ab. „Kann ich da was für?“, antwortet Lutz Erdmann lakonisch und grinst. 

Am Ende bestehen von den zehn, die im LLZ angetreten sind, nur sechs. „Vier, die durchgefallen sind, dass ist eine hohe Quote“, resümiert Lutz Erdmann. Ansonsten war alles wie immer: Bewegungslehre, Angriffe mit Stock, Messer und Kette, weiterführende Techniken, Verteidigung gegen zwei Angreifer, Dreierkontakt. „Leicht und fluffig soll der sein“, hatte Jens Keckstein gemahnt.

 

Anspannung im Budocentrum
Martin, Andreas R. und Wolfgang, die im Budocentrum in Alsterdorf geprüft werden, fühlen sich weder fluffig noch leicht. Die Atmosphäre ist ruhig und spürbar angespannt. Zwei der SVPler sind über 50, einer 49 Jahre alt, was aber bei Kondition und Beweglichkeit keinen Alters-Bonus einbringt. Obwohl man den Prüflingen anmerkt, dass sie achtsam und vorsichtig mit ihren jeweiligen Partnern umgehen, gehören Beulen und Schrammen dazu. Gelacht wird hier erst, als die Prüfung zu Ende ist. Bis dahin wechselt Wolfgangs Gesichtsfarbe von weiß zu rot. Wie immer, wenn er sich konzentriert und etwas unbedingt schaffen will. Er hat, wie die anderen, mal einen kurzen Blackout, doch die Prüfer führen auch ihn professionell wieder auf Kurs. Die Partner werden als Tori oder Uke immer wieder durch gewechselt.

 

Fazit
Von insgesamt 16 Prüflingen aus verschiedenen Hamburger Vereinen bestehen 11. Unter den neu graduierten alle Teilnehmer der SVP. Im LLZ wurde die Prüfung von Anton und Andreas L. (SVP) explizit gelobt. Insgesamt lagen die Leistungen im Mittelfeld – aus Sicht der Prüfer. Für die aber, die nun eine höhere Gürtelfarbe tragen dürfen, war es ein ganz besonderer Tag.

 

Die Budoabteilung der Sportvereinigung Polizei Hamburg gratuliert seinen Mitgliedern: 
Wolfgang: Ab sofort Braungurt
Andreas L.: Ab sofort Braungurt
Anton: Ab sofort Braungurt
Knut: Ab sofort Blaugurt 
Martin: Ab sofort Blaugurt
Andreas R.: Ab sofort Blaugurt

 

Text: Heide Fuhljahn / Andreas Rasche
Fotos: Heide Fuhljahn / Hartmut Nadler

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