Selbstverteidigung unter realen Umgebungsbedingungen

Von: Anja Sell | 28.06.2017

Zu 10. Mal jährte sich der Glinder Landestechniklehrgang zum Thema „Selbstverteidigung unter realen Umgebungsbedingungen“ am Samstag, 24.06., und das im 30. Jahr der Jiu-Jitsu-Abteilung der TSV Glinde. Als Referenten konnten Sigi Sobolewski, 7. Dan Ju-Jutsu und Mark Harrer, 1. Dan Jiu-Jitsu, verpflichtet werden. Mark ist bereits seit dem ersten Lehrgang dieser Reihe als Referent dabei. 
Sigi thematisierte die Verteidigung am Boden vor allem gegen Tritte zum Kopf, da solche Meldungen in den Medien immer mehr zunehmen. Was passiert eigentlich bei einem Tritt zum Kopf in der Bodenlage? Die Energie, die auf den Kopf einwirkt, ist vergleichbar mit einem Sturz aus ca. 30 m Höhe. Die Verteidigungsmöglichkeiten am Boden sind in der Realität sehr beschränkt – es geht darum den Körper weitgehend so zu schützen, dass möglichst wenig an Schaden entsteht. In Erster Linie muss der Kopf geschützt werden, des Weiteren sind die Seiten wichtig um Leber, Milz und Nieren zu schützen. Man geht zu Boden, weil man in der Regel schon einen Schlag oder Tritt mitbekommen hat, sprich man ist schon benebelt und dann noch die Reaktion zu besitzen, nicht zu Boden zu knallen ohne sich zu verletzen, ist eine schwierige Reaktion. Sich dann noch vor weiteren Angriffen zu schützen, vor allen da diese Angriffe meist unerwartet kommen, ist noch schwieriger. Um sich dran zu gewöhnen, dass man einen Schlag abbekommt und in die Bodenlage geht, sollte in der ersten Situation bei Sigi geübt werden. Alle Situationen wurden auch auf Zeit geübt, denn diese Situationen sind mit enormem Stress verbunden, vor allem bei mehreren Angreifern. Mit gezielten Tritten, kurzen Blöcken und Schlägen wurde sich gewehrt. Schnellstmöglich unter Eigensicherung aufzustehen ist das nächste Ziel und sich auch umschauen, ob nicht noch mehr Angreifen in der Nähe sind. Der Angreifer sollte dann gehunfähig gemacht werden. Er soll nicht wieder aufstehen können, anders als in der Prüfung. Angreifer würden sonst eventuell noch aggressiver angreifen oder es steht vielleicht noch ein zweiter Angreifer dort. Die eingesetzten Tritte, Hebel usw. zur Verteidigung müssen blitzartig und explosiv kommen, um den Angreifer abzuwehren. Rumfuchteln mit Armen und Beinen vergeudet nur sinnlos Energie und bieten dem Angreifer mehr Möglichkeiten zum Handeln. Geübt wurden auch verschiedene Angriffswinkel und die Situation mit mehreren Angreifern. Jeder sollte sich bewusst sein, je mehr Angreifer dazu kommen, desto geringer ist die Chance, dass man einigermaßen unbeschadet aus der Situation rauskommt – Da man sowieso nicht ohne Blessuren aus so einer Konstellation entgehen kann, ist recht unwahrscheinlich. Es geht darum den Schaden möglichst zu minimieren: „nicht so verletzt werden, dass wir schwerstverletzt oder gar getötet werden“. Daneben thematisierte Sigi noch den Nothilfeaspekt: „Wir greifen ein, um den gegenwärtigen Angriff auf ein Opfer abzuwehren, zu helfen. Wenn ihr euch entscheidet einzugreifen, nicht lang überlegen, es muss dann schnell gehen.“
Bei Mark wurde verschiedene Szenarien auf der Treppe, im Fahrstuhl oder auch anderen beengten Räumlichkeiten geübt. Dafür hatte er verschiedene Stationen präpariert, die dann von den Teilnehmern durchlaufen wurden. Abschließend gestalteten die Teilnehmer selbst einen Parcours im Fahrstuhl, Treppenhaus, Gängen und Umkleidekabinen. Völlig ahnungslos, ob nun ein Angriff erfolgt oder auch nicht, war die Reaktion der Teilnehmer sehr unterschiedlich auf diese unbekannte Situation, mal gelassen, mal panisch, mal aggressiv oder auch verängstig. Auch nach mehreren Durchgängen, war die Begeisterung immer noch sehr hoch.
Der Lehrgang war wieder sehr lehrreich und hat bei den Teilnehmern großen Anklang gefunden. Daher wird diese Tradition sicherlich auch im nächsten Jahr fortgesetzt.

 

 

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