Ju Jutsu / Jiu Jitsu meets Modern Arnis

Von: Anja Sell | 31.03.2017

Am Samstag, 25.03, hat Philipp Wolf zum Landestechniklehrgang nach Neustadt eingeladen zu dem Thema „Selbstverteidigung, Techniken und Trainingsformen aus dem Modern Arnis mit und ohne Stock / Waffen“. Der Einladung folgten rund 60 Teilnehmer verschiedener Verbände. Referent war Großmeister Datu Dieter Knüttel, 10. Dan Modern Arnis, DAV Bundestrainer, der zur Eröffnung die neuen Danträger geehrte, die sich am Vormittag ihrer Prüfung gestellt hatten.

Den Beginn machte Dieter mit einem der Hauptprinzipien gegen einen Stockschlag von außen: die bessere Hand macht den Block, die schlechtere Hand sichert, die bessere Hand schlägt dann. Bei dem Schlag wird nicht ausgeholt, sondern direkt reingegangen, da sonst getrapped wird. Beim Entwaffnen wird dann direkt in einen Streckhebel übergegangen. Um aus dem Streckhebel das Optimum rauszuholen, ging er noch genauer auf die Prinzipien ein. Dabei kann sich eine Wippe vorgestellt werden: die Wippe hat ein Widerlager und wenn eine Seite hochgeht, geht die andere Seite runter – genau das wird gemacht, um den Hebel zu verstärken. Das Widerlager ist hier der Ellbogen, wird der Druck darauf verstärkt, muss gleichzeitig die hier rechte Hand hochgehen. Ist das Missverhältnis Kraft zu Gewicht von einem Partner zum anderen zu groß, dann hilft auch die beste Technik nicht weiter, aber durch richtiges Positionieren und richtigen Druck kann durch minimalem Aufwand das Missverhältnis weitgehend ausglichen werden. Eine gute Position bei dem Armstreckhebel ist beispielsweise, wenn die Schulter in einer Linie über dem Ellbogen des Angreifers ist und der Druck auf das Widerlager ca. zwei fingerbreit hinter dem Ellbogengelenk angesetzt wird. Wird der Druck direkt auf das Ellbogengelenk ausgeübt oder ist die Schulter nicht ganz in einer Linie mit dem Ellbogen, kann der Angreifer gegenwirken und sich befreien. Hebeltechniken immer sollten soweit vorbereitet werden, dass mit einer minimalen Bewegung die Wirkung erzielt werden kann. In weiteren Kombinationen zeigte Dieter noch mehr Möglichkeiten auf, wie weitergearbeitet werden kann, auch unter Zuhilfenahme des Stocks.

Im zweiten Teil des Lehrgangs wurde dann waffenlos weitergearbeitet: Im Modern Arnis als Trapping bekannt, für Ju-Jutsukas unter der Thematik „Weiterführung nach abgewehrter Atemi“. Abgesehen davon, dass mit Schlägen weitergearbeitet werden kann, demonstrierte Dieter Übergänge zu Streckhebeln sowie verschiedenen Varianten von Fingerhebeln. Wobei besonders bei Fingerhebeln darauf zu achten ist, den maximalen Hebelarm auszunutzen für die optimale Wirkung. Falls einmal nicht die erhoffte Reaktion eintritt, um einen Fingerhebel auszuführen, sollte nicht nach ihnen gesucht werden, sondern einfach was anderes gemacht werden. Fortgeschrittene müssen neben Plan A, auch ein Plan B, C und D haben. In der Selbstverteidigung werden viele Techniken gebraucht, um in allen möglichen Situationen angepasst reagieren zu können, weil nicht in bestimmten Regelwerken arbeitet wird. Sobald ein Wettkampfsystem vorhanden ist, kann sich auf vier, fünf, sechs Techniken spezialisiert werden. In der Selbstverteidigung aber sind die Angriffe so vielfältig, dass drei, vier Techniken nicht ausreichen. Das heißt es muss eine breite Palette an Techniken gelernt werden. Aus dieser Vielseitigkeit wird dann gelernt, die Techniken dann anzuwenden, wenn sie braucht werden.

Ein sehr bemerkenswerter Lehrgang, der sich sicher in einer ähnlichen Form wiederholen wird. 

  • Internationale Jiu-Jitsu Federation
  • Ju-jitsu European Union
  • Worldgames
  • Deutscher Olympischer Sportbund
  • Interessengemeinschaft Nicht-Olympischer Verbände
  • Deutsche Sportjugend
  • Nationale Anti-Doping-Agentur
  • Bundesministerium des Inneren
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend