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„Integration durch Sport“ - Ju-Jutsu - Motor für Integration

 | 06.03.2017

Erfahrungen eines Mehrspartensportvereins zur Integration minderjähriger, unbegleiteter Flüchtlinge im ländlichen Raum

Auszug aus der Broschüre „Von wegen gähnende Leere - Wie demokratisches Engagement ländliche Räume belebt!“ - vom Bundesnetzwerk Bürgerliches Engagement

Profil des Projekts?

Grundidee ist, dass über den Zeitraum von einem Jahr wöchentlich, immer sonntags, drei Lehreinheiten bedarfsgerechter Bewegungs- und Sportangebote im DJK Sportverein Furth  e. V. (Kreis Landshut) durchgeführt werden, um eine schnelle Integration der minderjährigen Flüchtlinge im Sportverein zu erreichen. Die Einheiten werden von erfahrenen und engagierten Übungsleiter/innen und Trainer/innen, die überwiegend aus dem Jugend-/Jungerwachsenenbereich stammen, abgehalten. Teilnehmen sollen neben den Flüchtlingen auch Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene aus allen sieben Vereinsabteilungen (Tennis, Tischtennis, Fußball, Volleyball, Stockschießen, Ju-Jutsu und Gymnastik/Turnen). Das Projekt „Integration durch Sport“ leistet einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zur Willkommens- und Anerkennungskultur, erleichtert die Integration und hilft dabei, Hemmschwellen abzubauen. Die jungen unbegleiteten Flüchtlinge wurden daher aktiv mit in das Projekt eingebunden. Mit Hilfe des Projekts wird der Aufbau von sportlichen Vereins- und Verbandsstrukturen in Deutschland vermittelt, darüber hinaus stellen die Demokratietrainer/in des Sportvereins die Grundzüge der politischen Bildung dar. Die soziale Situation der Flüchtlinge verbesserte sich, Schwellen- und Berührungsängste wurden abgebaut sowie Sprachbarrieren beseitigt. Mittelfristig sollen die Flüchtlinge Mitglieder in einzelnen Abteilungen des Vereins werden und selbst eventuell Verantwortung als Club- bzw. Sportassistenten übernehmen. Planungen hierfür laufen bereits mit der Bayerischen Sportjugend Kreis Landshut. Vom Projekt profitiert haben Verein und Gesellschaft, da wahrgenommen wurde, dass ehrenamtliches Engagement sportartübergreifend stattfindet.

Wie stärkt das Projekt die Gemeinschaft vor Ort?

Es ist klar erkennbar, dass sich die soziale Situation der jungen Flüchtlinge erheblich verbessert hat. Durch die strukturellen Ansätze wurden Freundschaften geschlossen, Rahmenbedingungen für unterschiedliche soziale Kontakte geschaffen und die meisten von ihnen besuchen die Sportangebote einzelner Abteilungen (Fußball, Volleyball, Ju-Jutsu, Tischtennis).

Wer beteiligt sich am Projekt?

Neben den Demokratietrainer/innen, die das Projekt angestoßen haben, beteiligen sich alle sieben Abteilungen des Vereins. Federführend übernahm die Abteilung Ju-Jutsu die Planungen und administrativen Aufgaben. Trainer/innen und Übungsleiter/innen aus überwiegend dem Jugendbereich übernehmen die Trainingseinheiten und binden Jugendliche und Jungerwachsene aus der Abteilung mit ein. Auch die Vorstandschaft und Verantwortliche aus der Sportpolitik betätigen sich.

Welche Ergebnisse wurden bereits erzielt?

Für den Bereich Ju-Jutsu: Drei Jugendliche aus Afghanistan legten eine Prüfung zum Gelbgurt ab und besuchen regelmäßig die Trainingsstunden bei Jugendlichen und Erwachsenen. Für den Bereich Fußball: Eine große Anzahl der Jugendlichen aus Afghanistan nimmt regelmäßig an den Trainings-stunden und dem regulären Spielbetrieb im Jugendbereich teil.

Wer hat das Projekt initiiert? Inwiefern spielt eine Rolle, wer das Projekt initiiert hat?

Sabine und Fritz Schweibold, DemokratietrainerIin der Deutschen Sportjugend, haben das Projekt initiiert. Beide sind selbst als Trainer/in und Übungsleiter/in im Verein/Verbänden und in der sportlichen Aus- und Weiterbildung tätig und mit unterschiedlichen sportlichen Strukturen (Verein, Verband, Deutsche Sportjugend, Bayerische Sportjugend) sehr gut vernetzt. Daher konnten sie Trainer/innen, Übungsleiter/innen und Referent/innen für die Projekteinheiten von „Integration durch Sport“ gewinnen.

Ist das Vorhaben nachhaltig angelegt? Inwiefern?

Der Projektzeitraum soll nur als Initialzündung für die Integration der Flüchtlinge dienen. Nachhaltig soll natürlich die weiterführende Integration in den Sportverein und die Verbände erfolgen. Durch die Zusammenarbeit mit der Bayerischen Sportjugend wird angestrebt, dass interessierte und geeignete Jugendliche Verantwortung als Trainer/innen/Übungsleiter/innen/Clubassistent/innen übernehmen. Andere sollen nach ihren Möglichkeiten gefördert werden, um eventuell im Leistungssport weiter zu machen und selbstverständlich sollen alle anderen Spaß am gemeinsamen Sport haben.

Ist das Projekt übertragbar? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was sind spezifische Faktoren?

Das Projekt ist auf jeden Verein/Verband bzw. Institution übertragbar. Es geht dabei nicht primär um sportliche Erfolge und Siege, sondern um ein Miteinander. Dabei sind auch Örtlichkeiten zweitrangig. Improvisation und Flexibilität sind gefragt. Hervorragende Ideen für Aktivitäten kamen von allen Beteiligten. Es musste einfach nur jemand in die Hand nehmen und die Verantwortung übernehmen. Das Angebot der Beteiligung war sehr groß und die Aufgaben und Verbindlichkeiten rund um die Durchführung der einzelnen Sporteinheiten wurden sehr ernst genommen.

Was können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Sich nicht von administrativen oder bürokratischen Hürden abhalten lassen. Verantwortung übertragen und Verbindlichkeiten einfordern. Den Nutzen für die Gesellschaft und den Sport vermitteln und vorleben.

Ein besonderer Dank geht an die Deutsche Sportjugend, Ressort Jugendarbeit im Sport, für die stets wertschätzende und konstruktive Zusammenarbeit.

  • Internationale Jiu-Jitsu Federation
  • Ju-jitsu European Union
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  • Deutscher Olympischer Sportbund
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  • Deutsche Sportjugend
  • Nationale Anti-Doping-Agentur
  • Bundesministerium des Inneren
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend