Der Toys“R“Us-Griff

Von: Anja Sell | 28.02.2017

Am Samstag, 25.02., lud der SV Henstedt-Ulzburg e.V. ein zum Landestechniklehrgang zum Thema Kyusho Nervendruckpunkte. Referent Frank Carmichael, 5. Dan Wado-Ryu Karate, 1. Dan Kyusho Jitsu, zog knapp 50 Teilnehmer in seinen Bann, die nicht nur aus dem Ju-Jutsu bzw. Jiu-Jutsu kamen, sondern auch aus verschiedene Karatestilen und Judo stammten.
Kyusho-Jitsu bezeichnet die umfassenden Kenntnisse, um die Vitalpunkte und ihre Anwendung in den Kampfkünsten. Die gelehrten Grundsätze greifen auf das Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin sowie deren 5-Elemente-Theorie zurück und nutzen diese im Konflikt mit einem Angreifer. Kyusho-Jitsu wird dabei nicht als eigene Kampfkunst angesehen, sondern eher als Ergänzung bzw. Verstärkung zu den Techniken verschiedener Kampfkunststile und zum besseren Verständnis, um die eigene Kampfkunst. So wie Akupunktur und Akupressur mit der Stimulation bestimmter Körperstellen / Vitalpunkte eine heilende Absicht verfolgt, werden im Kyusho-Jitsu die energetischen und neurologischen Abläufe im menschlichen Körper so beeinflusst, dass eine Störung der Körperfunktionen die Folge ist. Diese können sich in Form von Schmerz, Gleichgewichtsstörung, Kraftverlust bis hin zum Bewusstseinsverlust darstellen. Im Rahmen des Lehrgangs wollte Frank den Teilnehmern einen Einblick gewähren und nicht eine Theoriestunde zu den Hintergründen der einzelnen Punkte geben. Dabei demonstrierte er keine Lösungen zur Selbstverteidigung, sondern einen zusätzlichen Akteur für die Lösung. Jeder konnte so seine Techniken, je nach Graduierung und Vorlieben, in die Lösungsstrategie einbauen. Um es mit Franks Worten nochmal wieder zu geben: „Ihr bringt Pfeil und Bogen mit, mit denen ihr wie kein anderer umgehen könnt - ich bring euch einen kleinen Topf mit Gift mit, in den ihr euren Pfeil tauchen könnt.“ So können selbst kürzeste, minimale Berührungen Reaktionen auslösen – beispielsweise einen kleinen Millimeter des kleinen Finger bei einem großen Mann, der so in die Knie gezwungen werden kann. Die Vitalpunkte können durch Drücken, Rubbeln oder Schlag (meist in einem bestimmten Winkel) stimuliert werden. Bei manchen Punkten können auch alle Varianten genutzt werden – z.B. Lunge 8, dieser befindet sich ca. zwei cm oberhalb der Handgelenksfalte auf der inneren Oberseite, auf dem Knochen. Da die Arme am leichtesten bei Konflikten erreicht werden und ca. 90% der Auseinandersetzungen mit Armen erfolgen, ging Frank vorwiegend auf Vitalpunkte an den Armen ein. So auch der Toys“R“Us-Griff: „Stellt euch vor, ihr habt die Aufgabe zwei renitente Kinder unfallfrei quer durch Toys“R“Us führen, an der Kasse vorbei, über den Parkplatz, in den Kindersitz und das ohne einen Cent auszugeben“. Mit dem Toys“R“Us-Griff können sie nett gebeten werden mitzukommen, dafür sollte bekannt sein, wo der Punkt Herz 3 sitzt. Auf diese Weise können auch Erwachsene, die sich gerade kabbeln, leichter unter Kontrolle gebracht werden, ohne zwischen die Personen zu geraten.

Natürlich ist Frank auch noch auf andere Körperregionen eingegangen: beispielsweise auf den Dentalnerv im Gesicht. Druck oder ein Schlag hat eine immense Wirkung – bildlich gesprochen: mit einem 0,4 PS-starken Motor kann auch ein großer Tanker bewegt werden. Neben Vitalpunkte macht sich Kyusho-Jitsu auch Blutdruckpunkte zu Nutze. Durch Schlag auf den Punkt Dickdarm 18 wird dem Gehirn vorgetäuscht, dass ein Überdruck im Kopf besteht. Darauf reagiert es, indem der Blutdruck sofort auf null gesenkt wirkt, mit der Folge einer Ohnmacht. Diese Techniken wurden selbstverständlich nicht ausprobiert.
Eine schöne Möglichkeit, vor allem für Frauen, etwas Raum zwischen sich und der Person, die einen Arm um einen legen will, zu schaffen, ist schon im Ansatz mit dem Daumen in die Körperseite bei den oberen Rippen zu drücken, rubbeln oder schlagen (Milz 21). Das Armumlegen kann schließlich zur sexuellen Belästigung oder einen Schwitzkastenangriff führen. Abschließend ging Frank noch auf einige wenige Punkte im Beinbereich ein - Gallenblase 31 auch bekannt als Pferdekuss.

In einem Konflikt sollte nie nach Punkten gesucht werden, der Körper ist durchflutet von Adrenalin und kann nur Techniken abrufen, die zig Mal trainiert wurden. Mit ein bisschen Übung, wenn zwei bis fünf Punkte abgespeichert sind, springen diese Punkte einem in einem Konflikt förmlich in das Gesicht. Wie in allen Kampfkunststilen, muss auch im Kyusho die Anwendung immer wieder wiederholt werden.

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  • Deutsche Sportjugend
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  • Bundesministerium des Inneren
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