Bernd Thomsen, geb. Hillebrand

Jahrgang 1957

Hessen

Ehem. Technischer Direktor DJJV (bis 2000)

Ehem. Vizepräsident Breitensport (2000 - 2001)

Tätigkeiten

Als Vater des "Ju-Jutsu 2000" der Wegbereiter für eine umfassende Überarbeitung des Ju-Jutsu Prüfungsprogramms um zu garantiren, dass Ju-Jutsu eine moderne Selbstverteidigung bleibt.

Erfolge

Beruf: Polizeibeamter seit 1975;

Sport- und Selbstverteidigungsausbilder, Gruppenführer, Einzeldienst, Fachoberschule 1990 – 1991, Fachhochschulstudium 1991 – 1994, Fachhochschullehrer Sport und Einsatztraining seit 1997 an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, Fachbereich Polizei

Ju-Jutsu seit 1975, 7. Dan Ju-Jutsu seit 2002, Trainer-A und Ju-Jutsu Lehrer, Deutscher Meister im Ju-Jutsu Formenwettkampf 1991, Lehrreferent des Hessischen Ju-Jutsu-Verbandes e. V. von 1983 bis 1993;


Technischer Direktor des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes. e. V. von 1993 bis 2000;

maßgeblich gelernt bei, bzw. beeinflusst von Karl Herrmann, Gerhard Wittig, Hans-Peter Krings, Erich Reinhardt, Gerhard Schmitt und Jeff Espinous


Vereinstrainer seit 1979 (TuS Wiesbaden Dotzheim, Judo-Club Wiesbaden, Polizeisportverein Grün-Weiß Wiesbaden)

Karate 1980 – 1990, 1. Kyu (Braungurt) und Fachübungsleiter Karate
Weitere: Kali, Escrima, Arnis (phillippinische Kampfsportarten) seit 1992

 

Hobbies: mein Beruf, meine Selbstverteidigung, Musik machen (Gitarre, Klavier) und hören (von Johnny Cash über Tom Petty bis Guns’n Roses), Fremdsprachen lernen (englisch, französisch, italienisch, spanisch) Zeichnen, Malen (von Aquarell- über Ölmalerei bis Air-Brush), Jonglieren (Bälle, Keulen, Stöcke, Tonfas und Nunchakus), Lesen (Ken Follett, John Crisham, Lee Child, Michael Crighton, J. K. Rowling)

Sonstiges

Interview anlässlich des 40-jährigen Ju-Jutsu Jubiläums

 

1.     Wie waren die Umstände deines Einstiegs in das Ju-Jutsu?
Schon als Kind oder Jugendlicher in der Schule war mir klar, dass ich es auf Dauer nicht dulden würde, wenn mir jemand irgendeine Art von Gewalt antun würde. Ich wusste, dass ich irgendwann mit Selbstverteidigung anfangen würde. Eine bestimmte Kampfsportart Hatte ich damals noch nicht im Sinn. Leider hat es dann gedauert, bis ich 18 Jahre alt wurde und bei der hessischen Polizei anfing, um Ju-Jutsu kennen zu lernen. Denn dies wurde in der dortigen Ausbildung unterrichtet. Es dauerte nicht lange und ich war infiziert.

 

2.     Unter welchen Bedingungen hast Du trainiert?
Wir hatten im Jahr 1975 eine zu einem Selbstverteidigungsraum umgebaute kleinere Garage zur Verfügung, der jedoch für das Training ausgereicht hat. In umliegenden Vereinen, in denen ich  zusätzlich zur Polizeiausbildung trainierte gab es zum Teil noch Strohmatten, über welche eine Plane gezogen und die dann mit Gurten zusammengehalten wurde. Die Trainer waren gut, hatten aber zum Teil auch nur höhere Schülergrade. Recht früh hatte ich Gelegenheit bei Meistern, wie Erich Reinhardt, zu trainieren.

 

3.     Welche Funktionen, Leistungen hast Du Dir erarbeitet?
Direkt nach der Polizeiausbildung wurde ich als damaliger Grüngurt für die Ausbildung der Jungen Polizisten in Ju-Jutsu eingesetzt. Von 1982 an leitete ich 10 Jahre lang als Lehrreferent die Aus- und Fortbildung der Fachübungsleiter Ju-Jutsu im Hessischen Ju-Jutsu Verband. Danach war ich für 7 Jahre Technischer Direktor im Deutschen Ju-Jutsu Verband und bekam die Gelegenheit mit einer aus vielen ausgewählten Fachleuten bestehenden Arbeitsgruppe mit der Bezeichnung „Ju-Jutsu 2000“ das Ju-Jutsu Prüfungsprogramm komplett zu überarbeiten und zu modernisieren. War Anfang der 90-er Jahre im Formenwettkampf sehr aktiv und unter anderem auch Deutscher Meister mit der Gruppe „Die 4 Samurai“. Bin Trainer-A, Ju-Jutsu Lehrer und habe seit dem Jahr  2002 den 7. Dan Ju-Jutsu. 

 

4.     Ein schönes Erlebnis im Sport
Als ich vor einigen Jahren als Referent bei einer Ju-Jutsu Lehrerausbildung in Hamburg eingesetzt war, nahm ich mit den Teilnehmern die damals noch nicht so weit verbreitete ‚Abwehrfolge im Dreierkontakt‘ (heute eher als ‚Hoobud‘ bekannt) durch. Gegen Ende der Trainingseinheit demonstrierte ich mit einem der angehenden Ju-Jutsu Lehrer die Übungsfolge mit Übergängen zu Hebeltechniken. Um das Ganze eindrucksvoller zu gestalten taten wir beide dies mit verbundenen Augen. Dabei erläuterte ich während der wechselseitigen Übung noch ausführlich, worauf es dabei ankommt. Nach einer Weile bemerkte ich, dass es um uns herum sehr still geworden war. Scheinbar waren die Beobachter von der Vorstellung sehr beeindruckt. Als ich die Augenbinde abnahm, um in die begeisterten Gesichter zu blicken, war außer meinem Partner und mir kein Mensch mehr auf der Matte. Sie hatten es sich schon mal im Nebenraum bei einer Tasse Kaffee bequem gemacht und meinten, sie hätten uns nicht stören wollen.

 

5.     Dein Rat für die Zukunft?
Der Selbstverteidigungsgedanke sollte im Ju-Jutsu stets an erster Stelle stehen. Alle Arten von Training und Wettkampf sind lediglich Hilfsmittel und Zwischenstationen, um das Ziel einer optimalen und möglichst  individuellen Selbstverteidigung zu erreichen. Auch sollte sich das Ju-Jutsu Prüfungsprogramm, und damit dass, was in den meisten Vereinen trainiert wird, stets an den Bedürfnissen der Zeit orientiert, verändern und verbessern.
Neue Erkenntnisse auf den verschiedenen Gebieten der Selbstverteidigung sollten in die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter und  Trainer integriert werden, um dem zu dienen, was das Wichtigste im Verband ist, jedem einzelnen Ju-Jutsu-Betreibenden auf der Matte.  

 

6.     Was treibst Du jetzt?
Ich bin im Polizeisportverein Grün-Weiß Wiesbaden Trainer einer ‚40-plus‘ Gruppe, die das Ziel hat, auch denjenigen eine ansprechende Trainingsmöglichkeit zu bieten, welche sich auf der Matte nicht mehr Training für Training gegen jüngere Teilnehmer/innen beweisen wollen und einfach Spaß an der Sache haben. Damit haben wir sehr viele Ju-Jutsuka wieder „zum-Leben-erwecket“, die sonst dem Training fern geblieben wären. Aber auch ältere Jungs und Mädels, die erst jetzt das Ju-Jutsu entdeckt haben sind bei uns gern gesehen. Es freut mich, dass ich ab und zu als Referent zu Landes- und Bundeslehr-gängen eingeladen werde und bin gerne bereit auch hier noch mehrere Wochenenden im Jahr zu unterstützen, solange Bedarf besteht. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nach insgesamt etwa 20 Jahren Verbandstätigkeit mit wenig Freizeit auch heute noch jedes freie Wochenende genieße. Auch wenn ich die Verbandsarbeit hinter mir gelassen habe, das Ju-Jutsu selbst werde ich ganz sicher niemals aufhören.

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