Peter Nehls

† 16. März 2012

Schleswig - Holstein

(ehem.) Bundestrainer DJJV

Nachruf von Manfred Feuchthofen

Von Manchen als KippNehlshebel bezeichnet
1977
Judo Journal 1/1971

Nicht über den Zaun zu schauen und das Gute anderer Systeme nicht übernehmen zu wollen bedeutet Ignoranz, die unser Ju-Jutsu einschränkt und unglaubwürdig macht!“- zum Tode von Peter Nehls -Am 16.03.2012 verstarb im Alter von 72 Jahren mein Lehrmeister und Budovorbild, Peter Nehls, 8. Dan Ju-Jutsu DJJV, 5. Dan Jiu-Jitsu IJJL, 2. Dan Aikido, 2. Dan Karate.

Vor 44 Jahren begegneten wir uns bei einer Jiu-Jitsu-Kyu-Prüfung am 15.01.1968 beim BGS in Winsen/Luhe. Peter kritisierte als Prüfer meine damals als Prüfling zum 4. Kyu Jiu-Jitsu demonstrierte Transporttechnik (Hosenbodengriff). Er hielt diese Technik für untauglich. Ich beharrte auf die Tauglichkeit dieser Technik, worauf er die Matte betrat und mich aufforderte, diese an ihm zu demonstrieren (Peter war um einiges größer und schwerer als ich). Mit voller Überzeugung erfasste ich dynamisch Peters Hosenboden und Kragen, bewegte ihn laufend über die Matte, so dass er fast stürzte. Ein von allen hörbares Ratsch entpuppte sich als ein Hosenbodenriss vom Steißbein bis zum Kreuz­bein. Peter war sehr überrascht, musste aber auch selbst lachen und befand die Technik dann für tauglich.

Wir begegneten uns noch häufiger auf Lehrgängen und Seminaren in Lübeck, Faxe und Hornbaek /DK. In Hornbaek war ich am 04.7.1970 Uke bei seiner Prüfung zum 5. Dan Jiu-Jitsu (ich selber legte am gleichen Tag die Prüfung zum 1. Dan Jiu-Jitsu ab).

In Lübeck angekommen, traten wir dem Lübecker Judo Club bei und erhielten im Schnellverfahren unseren DJB Pass, mit dem wir uns am 11.07.1970 in Wiesbaden der Überprüfung zum Ju-Jutsu im DJB stellten. Da es noch keinen 5. Dan Ju-Jutsu gab, wurde Peter auf den 3. Dan JJ „degradiert“, Heinrich Conrads und ich dienten Peter als Uke. Heinrich Conrads legte seine Prüfung zum 2. Dan und ich zum 1. Dan JJ ab.

Peter war allen Prüfern, Funktionären und Zuschauern sehr positiv aufgefallen, sodass er Ende 1970 zum ersten Bundestrainer der Sektion Ju-Jutsu im DJB berufen wurde. Dieser Funktion kam bis 1980 nach. Gleichzeitig lehrte Peter sieben Jahre lang in Dänemark als Reichstrainer Ju-Jutsu. Funktionärsarbeit leistete Peter im JVSH als JJ-Landesbeauftragter und bald auch auf Bundesebene in der DDK Bundesgruppe und der Sektion JJ im DJB. Im Mai 1973 holte mich Peter, der Fachlehrer für Selbstverteidigung, Schwimmen/Retten und Spiele an der Sportschule des Bundesgrenzschutzes in Lübeck war, als Hilfslehrer in den gleichen Fächern zur Sportschule. Wir waren ein prima Team und unsere SV-Lehrgänge an der Sportschule des BGS (Ausbildung von SV-Ausbildern) waren stets ausgebucht.

1977 wechselte Peter in einen anderen Fachbereich und baute dort die neue Fachgruppe Kriminalistik auf. Er selber musste sich innerhalb des damaligen BGS neu orientieren und an vielen Ausbildungslehrgängen teilnehmen. Dienstlich verließ er leider seine SV, war aber immer an deren Weiterentwicklung im BGS sehr interessiert und konstruktiv kritisch. Peter hatte nun aus beruflichen und zeitlichen Gründen seine JJ Funktionärstätigkeit in Schleswig-Holstein eingestellt. Auf Bundesebene war er in beiden JJ-Vorständen (Sektion JJ im DJB und Bundesgruppe JJ im DDK) bis 1983 tätig.

Ab und zu waren wir auch wieder gemeinsam als Referenten auf der Matte, wie z. B. 1989/90 in Hamburg beim 2. und 3.Traditionslehrgang, bei dem Peter zu den anwesenden Juka sagte: „Nicht über den Zaun zu schauen und das Gute anderer Systeme nicht übernehmen zu wollen bedeutet Ignoranz, die unser Ju-Jutsu einschränkt und unglaub­würdig macht!“
Peter, wir haben auf Dich gehört, und die Erfolge unserer Bundesseminare, Bundes- und Landeslehrgänge zeigen auf, dass wir auch von anderen Systemen lernen.

Nach seiner Pensionierung haben wir uns leider, wohl auch bedingt durch seinen Wohnortwechsel, aus den Augen verloren. Mit großer Betroffenheit erfuhr ich vor zwei Jahren von seiner unheilbaren Krankheit und letztlich, dass er am 16.03.2012 verstorben ist.

Ich verliere mit Peter einen väterlichen Freund und wir alle einen vorbildlichen Juka, der für seine Budo-Ideale lebte, sich dafür einsetzte und kämpfte - er ist mein Großmeister!

Peter hat mit seinem Engagement, seinem großen Wissen und Können auf und auch außerhalb der Matte auf Versammlungen und bei vielen Verhandlungen unser Ju-Jutsu in Deutschland und Europa maßgebend beeinflusst und salonfähig gemacht.

Wir danken Dir für alles!

Manfred Feuchthofen

Tätigkeiten

- Noch kein Text vorhanden -

Erfolge

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Sonstiges

1979 Schwäbisch Hall
1978 Walldorf mit Vlado Schmidt
Peter mit Frank Piaskovy
  • Internationale Jiu-Jitsu Federation
  • Worldgames
  • Deutscher Olympischer Sportbund
  • Interessengemeinschaft Nicht-Olympischer Verbände
  • Deutsche Sportjugend
  • Nationale Anti-Doping-Agentur
  • Bundesministerium des Inneren
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend