< Jubiläums­lehrgang in St.Michaelisdonn
05.06.2018 11:41 Alter: 196 days
Kategorie: Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Von: Anja Sell

10 Jahre FMABC - 150 Jahre TSV Neustadt – Modern Arnis meets Friends

Am Samstag, 26. Mai, feierten Julia und Philipp Wolf das 10 jährige Bestehen ihrer Gruppe der philippinischen Kampfkünste in Neustadt. Zur Jubiläumsfeier hatten sich die beiden Gruppengründer unter dem Motto „Modern Arnis meets Friends“ einen Lehrgang mit ihren Lieblingstechniken überlegt…


Am Samstag, 26. Mai, feierten Julia und Philipp Wolf das 10 jährige Bestehen ihrer Gruppe der philippinischen Kampfkünste in Neustadt. Zur Jubiläumsfeier hatten sich die beiden Gruppengründer unter dem Motto „Modern Arnis meets Friends“ einen Lehrgang mit ihren Lieblingstechniken überlegt, in dem in drei Einheiten zu den Themen Stock, Messer und Waffenlos verschiedene Trainingsformen und Anwendungen unterrichtet wurden.

So starteten Julia und Philipp waffenlos mit der Abwehr im Dreier-Kontakt in der Basisform: Ohrfeige wurde mit der gleichen Seite aufgenommen, auf die andere Seite weitergeleitet und gesichert – anschließend erfolgt ein Rollenwechsel. Wichtig bei der Sicherung des Arms ist, wie die Hand positioniert wird: Der Arm wird oberhalb des Ellbogens, am besten mit dem C-Griff, kontrolliert. Philipp erklärte nochmal: „Die Abwehrfolge im Dreier-Kontakt ist für MICH in der Definition immer eine Kontaktaufnahme, Weiterleiten und Sichern. Das hat nichts damit zu tun, dass drei Kontakte mit den Händen durchgeführt werden, sondern mit den drei Prinzipien“. Dies sollten die Teilnehmer als Kernbotschaft mitnehmen. Dabei ist die Sicherung für Julia und Philipp ist das Wichtigste, weshalb sie auf das Thema als erstes eingingen. Neben dem Punkt wie die Hand positioniert werden sollte, zielte die nächste Kernaussage darauf ab, wo die Positionierung sein sollte. Es muss Druck bzw. Schub aufgebaut werden, damit der angreifende Arm über die zentrale Angriffslinie hinausgeht. Ansonsten stellt dieser Arm noch eine potentielle Gefahr dar. Als nächste Variante wurde der Angriff unten rumherumgeführt. Dabei wird bei der Sicherung der angreifende Arm bewusst nach oben geschoben, daher ergibt sich für den anderen automatisch die Situation den Angriff untenherum zu leiten. Beide Varianten wurden in der nächsten Übung kombiniert und der Partner reagierte, je nachdem was situativ notwendig war. Im nächsten Schritt erweiterten Julia und Philipp den Drill in dem mit dem zweiten Arm direkt ein Ellbogen, von unten oder oben, gegen den Oberarm gerichtet wurde bevor weitergeführt wurde. Im Ju-Jutsu ist dies als kombinierte Abwehrtechnik bekannt.

In der Regel ist die Situation auf der Straße so, dass nach dem ersten Schlag gleich der nächste folgt, daher ist die Regel Nr. 1 in jedem Stil die Bewegungslehre – das absolute A und O! „Wenn ich schlecht stehe, wenn ich mich schlecht bewege, kann ich alle Hand-, Fuß- und sonstige Techniken vergessen.“ Im Philippinischen typisch ist die Dreiecksschrittarbeit– übertragen ins Ju-Jutsu sind das verschiedene Ausfallschritte. Verdeutlicht und erklärt haben Julia und Philipp dies mit einem Dreieck aus Stöckern. Den Teilnehmern die Grundprinzipien des Philippinischen Boxens näher zu bringen, war das gesetzte Ziel von Julia und Philipp: Hier gibt es fünf Konzepte, die sie den Teilnehmern mit an die Hand geben wollten anhand einer Kombination, die erarbeitet wurde. Das erste Prinzip heißt „Zerstöre die angreifende Extremität“. – Arnis Prinzip Nr. 1: „Alles was nach vorn kommt, wird abgeschlagen. Ihr sollt heute nur das Prinzip mitnehmen, wie ich das kaputt mache, spielt am Ende keine Rolle“, sagte Philipp. Als nächste Variante stellten sie das im Arnis bekannte Gunting vor, im Ju-Jutsu zählt dies zu den kombinierten Abwehrtechniken. Dabei wird eine scherende Bewegung mit den Händen durchgeführt und der Oberarm des Angreifers attackiert. Hier können verschiedene Möglichkeiten genutzt werden: u.a. Daumenknöchel, Fingerknöchel oder im Training mit einem Schlag mit der flachen Hand. Trefferfläche ist dabei entweder der Muskel oder das Nervengeflecht zwischen Bizeps und Knochen. Wichtig ist ebenfalls die Bewegungslehre: Es muss ausgewichen werden. Die Kombination wurde dann weiter aufgebaut nach dem Prinzip „Zerstöre die angreifende Extremität“. 
Das zweite Prinzip ist die Austauschbarkeit der Waffen. Es spielt keine Rolle, welche Technik an sich genutzt wird. So kann in der gleichen Bewegung beispielsweise Ellenbogen, Fingerknöchel, Handkante, Daumenknochen oder Hammerfaust genutzt werden. Das dritte Prinzip ist das Winkeln und Wechseln: „Ihr seid ständig in einem Winkel zu eurem Angreifer – wir stehen selten frontal - und wechseln stets Seite und Auslage“. Das ist das Besondere im Philippinischen Boxen im Vergleich zum Klassischen Boxen – beide Seiten werden sehr viel trainiert. Das vierte Prinzip ist die Körpermanipulation. Und das letzte Prinzip heißt „second hand awareness“ – das Bewusstsein der zweiten Hand. Dies ist im Philippinischen noch präsenter als beim klassischen Boxen, da im Philippinischen in der zweiten Hand im Zweifelsfall ein Messer ist. Beide Prinzipien hatten Philipp und Julia bereits in die aufgebaute Kombination eingebaut, nur noch nicht explizit benannt. Anhand einer Beispielkombination haben die beiden sehr viele Möglichkeiten demonstriert, wie aus dem Basisdrill Dreier-Kontakt gearbeitet werden kann mit dem Hintergrund der fünf Prinzipien des Philippinischen Boxens.

Im zweiten Teil des Lehrgangs arbeiteten die Teilnehmer Stock gegen Stock. Hier wurde ebenfalls mit dem Dreier-Kontakt gestartet. Dabei ist es wichtig die Waffe zu sichern, das heißt in dem Fall, wird nicht wie beim Waffenlosen hinter dem Ellbogen gesichert, sondern die Hand inklusive Stock. Es ist wichtig das Prinzip hinter allen Techniken zu verstehen, nicht einfach stumpf einen Bewegungsablauf lernen und diesen auf alles anwenden. Für die Sicherung beim Weiterführen des angreifenden Arms muss auch noch das Sichern mit dem eigenen Stock erfolgen (Kreuzen), da ansonsten der Angreifer freie Bahne zum Gesicht hat mit seinem Stock. Ergänzt hatten Julia und Philipp die Kombination mit verschiedenen Festlegetechniken aus dem Arnis, inklusive Würgetechniken. Und auch die Prinzipien aus den waffenlosen Angriffen wurden hier übertragen, z.B. Nutzen des Butts für Schlagtechniken.

Im letzten Teil agierten die Teilnehmer dann Messer gegen Messer. Bei der Abwehr im Dreier-Kontakt ändert sich auch wieder die Sicherung: Das Messer muss frühzeitig von oben und unten gesichert werden, dadurch ergibt sich insgesamt ein etwas anderer Fluss als beim Waffenlosen. Im Waffenlosen ist eine relativ große „Ausholbewegung“ drin, um dem Schlag mehr Kraft zu verleihen. Beim Messer ist die Intension eine andere, der Angreifer braucht nicht mehr auszuholen – das Messer ist auch gefährlich, wenn es nur am Hals angesetzt und nach hinten gezogen wird. Das heißt die Bewegung wird jetzt viel kleiner. In die Kombination bauten die beiden Referenten verschiedene Entwaffnungen ein in eine Verkettung, im Ju-Jutsu als Weiterführung bekannt, im Arnis als Konter-Gegenkonter. Bei Entwaffnungen sollte zwischen den Anwendungssinnen Selbstverteidigung und Kriegskunst unterschieden werden. In der Selbstverteidigung im Arnis wird mit biomechanischem Schneiden gearbeitet: Dem Angreifer wird ein geringstmöglicher Schaden zugeführt beispielweise durch Durchschneiden von Sehnen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. In der Kriegskunst geht es dagegen um das Töten, um sich gegebenenfalls den anderen Angreifern zuzuwenden.

Abschließend sagte Philipp „Ich hoffe, dass jeder aus den Prinzipien der Abwehrfolge im Dreier-Kontakt neue Dinge verstanden hat: Wo kommt das her? Warum machen wir das? Was sind die Kernelemente? Und dass das Verständnis umgelernt wird von einer auswendiggelernter Bewegungsfolge mit drei Berührungspunkten hinzu den Inhalten hinter Aufnehmen, Weiterleiten und Sichern. Und dieses Wissen dann zu übertragen auf Angriffe mit Waffen“. Das nicht jeder auf so einem Lehrgang alle Varianten mitnimmt, behält und weitertrainiert, ist vollkommen klar. Es geht um Bewegungserfahrung und Dinge zu verstehen, darüber nachzudenken. Das ist das, was einen auf der heimische Matte besser macht.


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